Ulrich Sahm, Jerusalem (mit freundlicher Genehmigung)
Manche Ereignisse werden von den Medien in Deutschland nicht wahrgenommen.Wenn etwas an einem Freitag abend passiert, nach Redaktionsschluss, steht es
frühestens am Montag in der Zeitung. Das wäre Schnee von vorvorgestern. Und
wenn es Überschwemmung in der Schweiz gibt, interessiert es im Fernsehen
niemanden mehr, dass Israel neben Siedlungen im Gazastreifen auch noch vier
Siedlungen im Westjordanland räumt, obgleich das politisch gesehen
bedeutsamer war als der gesamte Abzug aus Gaza.
Ähnliches passierte Ende Mai 1991: die weltrekordträchtige Luftbrücke, mit der Israel innerhalb von 35 Stunden und 25 Minuten 14.087 äthiopische Juden heimlich, aber mit vollem Wissen der Presse aus dem umkämpften Addis Abeba holte.Die deutschen Medien waren vielleicht Nahostmüde, so kurz nach dem Irakkrieg. In deutschen Redaktionsstuben war man zudem misstrauisch. "Verletzt Israel nicht das Völkerrecht?" war die erste spontane Frage eines deutschen Redakteurs, als er von der Luftbrücke erfuhr. "Die holen sich die äthiopischen Juden doch nur ins Land, um sie in den besetzten Gebieten anzusiedeln", war der zweite Verdacht.